5.13.2012

Muttertag

Eigentlich finde ich ja den Muttersonntag irgendwie nicht so feiernswert. Das Mutterbild, das dahinter steht, gefällt mir nicht. Beinhaltet es doch putzen, waschen, kochen, backen, pflegen, nähen, bügeln undsoweiter undsofort. Hinter dem Vatertag verbirgt sich dann der Leiterwagen beladen mit Bierflaschen oder einem Bierfass, der von einem der feiernden Väter der Männergruppe gezogen wird. Aber trotzdem freue ich mich heute schon den ganzen Tag über den Blumenstrauß, den mir das "Kind" heute Morgen vor die Tür legen ließ. Es hätte ja nicht sein müssen.

5.05.2012

Martenstein gegen Berg


Foto aus zeit.de
 Ich las eben  den Artikel von Herrn Martenstein und lese auch immer wieder gerne Artikel von Frau Berg. Aus Herrn Martensteins Artikel, der insgesamt sehr lesenwert ist, kopierte ich den letzten Absatz.

"Kein Mann kommt auf die Idee, einer Frau den Spitzenplatz einzuräumen? Ich muss uns mal loben. In der Geschichte hat kaum je eine soziale Gruppe einen Teil ihrer Macht freiwillig abgegeben. Die Frauenquoten aber werden fast überall gegen relativ geringen männlichen Widerstand eingeführt. Wenn aber ein Mann eine Frau betrachtet, dann denkt er mal an dieses, mal an jenes, aber er denkt, verehrte Frau Berg, so gut wie nie an die Peinlichkeit seiner eigenen Geburt. Meine Geburt war übrigens total schön, ich denke da gerne dran."

Ja genau dieser "fette" Satz gefällt mir. Ich käme nie auf so einen Satz.  Natürlich war ich bei meiner Geburt dabei; aber dass ich gerne an sie denke, darauf wäre ich nie gekommen; warum eigentlich?

Foto aus spiegel.online

 Hier noch der Auszug aus Frau Bergs Artikel,  zum besseren Verständnis:
"Frauen sind nicht politisch, sie sind niedlich. Sie sind auch keine Philosophen, da ist schon Precht. Männer würden nie auf die Idee kommen, einer Autorin oder einer Philosophin den Spitzenplatz einzuräumen. Zuzugestehen, dass eine Frau im Rudelrang über ihnen stünde, das wäre unmöglich. Langt es doch, dass sie sich durch den Anblick der Frau ständig an die Peinlichkeit der eigenen Geburt erinnern lassen müssen. Lange hat Grass durchgehalten, ein Männerdarsteller wie gemalt, der Bart, der Tee mit arabischen Freunden im Wüstenzelt, die Frauen, die seine Gene in die Welt tragen durften. Das große Wort, das gespreizte Bein, die Pfeife, die Selbstverliebtheit. Warten wir, wer seinen Platz einnimmt."

4.27.2012

Tulpenzeit

Eine neue Lampe

Meine Leselampe an meinem Bett gab ihren Platz auf und fiel zu Boden. Also musste ich mich um einen Ersatz bemühen. Im Internet fand ich einen großen Lampenladen  in der Brienner Straße, mit Parkmöglichkeit, und machte mich auf den Weg. Der Laden war schnell gefunden, aber die Parkmöglichkeit fehlte. Ich suchte und sah Schilder mit Parkhinweisen . Ein Auto fuhr eben in einen zum Parken ausgewiesenen Keller. Ich fuhr hinterher. Der Keller war eng, ähnelte in keiner Weise einem Parkhaus. Schräg ansteigende Nischen schienen zum Parken vorgesehen. Ich fuhr in eine Nische hinauf; ja "hinauf". Mühsam kletterte ich aus dem Wagen und stieg vorsichtig über die Lamellen ab. Parken nur für Mieter, las ich, daneben ein Abschleppschild. Die Einfahrt war inzwischen verschlossen. Ein Rolladen war hinter mir herunter gegangen. Was tun? Wie sollte ich hier je wieder heraus kommen? Ich stieg zu der Einfahrt hinauf und las eine Anweisung, wie der Rolladen zu öffnen sei. Die Anweisung galt für Mieter, nicht für Falschparker. Da entdeckte ich drei Knöpfe an der Wand. Ich drückte den untersten. Keine Reaktion. Ich drückte den roten Knopf in der Mitte. Kein Alarm. Ich drückte den obersten. Das Tor ging hoch. Ich lief zu meinem Auto, stieg ein, fuhr rückwärts von der schrägen Parkbahn hinunter und wieder bis zum Eingangstor hinauf. Das Tor war inzwischen wieder herunter gegangen und die Ausfahrt verschlossen. Aufgeregt zog ich die Bremse an. Der Motor musste am Laufen bleiben. Ich stieg aus, drückte den obersten Knopf, das Tor ging auf, ich stieg schnell in mein Auto ein und fuhr unter dem Rolladen durch, in die Freiheit. Eine Fußgängerin, die ich in der ängstlichen Eile nicht gesehen hatte, sprang zurück. Nun fuhr ich wieder um den Häuserblock, auf der Suche nach einer neuen Parkgelegenheit. Neben dem Lampenladen sah ich einen Innenhofparkplatz. Ich fuhr in den Hof; zwei freie Parkplätze. Sie gehörte zwar nicht zu dem Lampenladen, aber sie waren frei. Schlechten Gewissens parkte ich. Im Lampenladen angekommen war mein dringlichster Wunsch nicht, eine Lampe zu kaufen, sondern eine Toilette zu finden. Die gab es nicht. Aber es gab die Lampe, die ich gesucht hatte. Sie wurde eingepackt, was mich noch nervöser machte, weil das Zeit kostete. Die Verkäuferin ließ sich von ihrer Tätigkeit des Einpackens nicht abbringen. So viel Zeit musste sein. Sie machte mich darauf aufmerksam, dass die Lampe ein Ausstellungsstück sei  und deshalb billiger. Ich sparte 90 Euro. Ein inzwischen in das Geschäft gekommener Mann trug sie mir zum Auto. Das Lampenproblem war gelöst. Das Toilettenproblem drängte nach einer Lösung. Was tun? Ich schaute mich um und sah das Dixieclo. "Darf ich ihre Toilette benützen," fragte ich die Bauarbeiter. "Aber ja!"  Ich tat es und weiß jetzt, wie rettende Dixieclos von innen aussehen. Dieses hatten Clopapier und war sauber.

4.09.2012

Ostertage und die SZ

Der Karsamstag brachte eine Süddeutsche Zeitung ins Haus, die bis Dienstag nach Ostern ausreichend Lesestoff bieten musste. So fand ich die Zeit, unbeachtete Artikel der letzten Magazinen zu lesen. In der Wochenendbeilage fand ich eine Geschichte von
Ralf Rothmann, "Abschied von Montparnass". Hätte sie gerne hierher verlinkt, geht aber nicht, da ich sie nicht noch einmal bezahlen möchte. Diese Sätze, die mich am meisten berührten, schreibe ich gerne ab: "Was, zum Teufel, war in sie gefahren? War sie noch bei Trost? Hatte sie es wirklich so nötig? An die vielen einsamen Frauen in der Stunde des Aperitifs musste sie denken, traurige Gestalten, die keiner mehr nach ihrer Biografie fragte und denen man ansah, dass die einzige Zärtlichkeit des Tages die Berührung mit dem Puderpinsel war. Und welche Antwort, wenn überhaupt eine, würde sie einem Kerl geben, der sie derart angemeiert hätte?" Ich erinnere mich selbst daran, dass diese Sätze Ralf Rothmann schrieb, ein Mann. Woher weiß er, wie sich eine Frau fühlt, die einen Mann anspricht?


4.08.2012

Weihnachtliche Ostern

Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir haben heute wirklich weiße Ostern. Die Sonne scheint. Der Schnee leuchtet. Die Pflanzen haben einen Schreck bekommen. Die Vögel schweigen. Da erinnere ich mich, dass es auch früher schon öfter mal weiße Ostern gegeben hat. Meine Eltern hatten einen großen Garten mit Obstbäumen. Damit die Blüten keinen Schaden nehmen konnten durch die Kälte und den Schnee, wurden damals Metallöfen unter die Bäume gestellt und beheizt. Es hat wirklich funktioniert damals. Die Blüten wurden gerettet, und damit die Obsternte.

3.10.2012

Das Gelbe vom Ei

In der heutigen Süddeutschen Zeitung steht in dem Artikel mit obiger Überschrift im Wirtschaftsteil die Geschichte von Kolumbus und dem Ei. Ich wusste bis jetzt, dass er die Aufgabe, ein gekochtes Ei auf der Spitze aufzustellen, als einziger gelöst hatte. Ich kannte aber nicht die Ursache, die ihn dazu bewog, diese schwierige Aufgabe zu stellen. Jetzt weiß ich es:

Bei seiner Rückkehr aus Amerika ärgert sich Christoph Kolumbus über die Äußerung des Kardinals Mendoza, dass es doch ein Leichtes gewesen sei, die Neue Welt zu entdecken; das hätte, meinte der Kardinal bei einem festlichen Essen, jeder gekonnt. Daraufhin verlangte Kolumbus von den Anwesenden, ein gekochtes Ei auf der Spitze aufzustellen. Alle Versuche scheiterten. Man war schließlich davon überzeugt, dass es sich um eine unlösbare Aufgabe handele. Kolumbus aber nahm das Ei, schlug es mit der Spitze auf den Tisch, sodass es leicht eingedrückt wurde und stehen blieb. Das hätten sie auch gekonnt, protestierten die Umstehenden. Kolumbus antwortete:" Der Unterschied, meine Herren, ist, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!" (Elisabeth Dostert)

(Bild Google)

Abschied

"Wir können stolz sein, es schon so weit gebracht zu haben," sagte heute Morgen E. Sie hatte mir an diesem "heuteMorgen" zum Geburtstag gratuliert. Anderthalb Monate später gratulierte ich ihr zum Geburtstag. Sie lag im Krankenhaus. Es ging ihr nicht gut. Die weißen Blutkörperchen hatten sich aus unerfindlichen Gründen so stark minimiert, dass sie keine Abwehkräfte mehr hatte. Die Diagnose hieß Leukämie. So schrieb ich ihr eine Mail, die sie lesen sollte, wenn sie wieder gesund nach Hause zurückgekehrt wäre. Diese Mail hängt noch immer ungelesen in ihrem Notebook. Gestern reiste sie in eine andere Welt, sie, die so gerne in unserer Welt herumreiste. Bevor sie zu einer ihrer monatlichen Routineuntersuchungen ins Krankenhaus gegangen war, sagte sie zu ihrer Bekannten: "Nach der Untersuchung buche ich eine Reise nach Wien." Aber diese Reise konnte sie nicht buchen, da die Ärzte sie im Krankenhaus behalten wollten und dann einige Tage auch behielten. Abschiede machen mich traurig. Bei diesem Abschied lässt sie viele traurige Menschen zurück.

3.02.2012

Polt

Ich selber käme nie auf so gültige Aussprüche wie Herr Polt. Früher fand ich ihn ja etwas "gewöhnlich". Ich mochte ihn nicht so gerne hören. Mit der Zeit und wachsender Weisheit verstand ich dann seine tiefgründigen Darstellungen etwas besser. Zuletzt begegnete mir dieser Ausspruch von ihm, der mich tröstet in meiner Annahme: "Keiner liebt mich!" "Everybodies darling ist everybodies Depp."